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#1 - MAI 2020

  
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Liebe Leserinnen und Leser,

 

das sind Zeiten! Die ganze Welt unter der Knute einer Pandemie. Einkaufen mit Maskenschutz. Und vor allem: unsere Lieblingsreiseziele diesen Sommer nicht erreichbar.
  
Für den kleinen Trost bieten wir Ihnen nun ein paar schöne Momente des Sofareisens. Emotional rescue! Ab jetzt regelmäßig in Ihrem Posteingang: der AMERICA Newsletter. Mit Neuigkeiten aus der Redaktion, Berichten von unseren Autorinnen und Autoren aus den USA. Mit Lesestücken und allerlei virtueller Unterhaltung - vor allem mit Ideen für künftige Reisen. Denn träumen ist schön und wichtig, und es hilft die Zeit zu überbrücken, bis wir wieder die Koffer packen.
Wir hoffen, Ihnen nun immer mal wieder eine Freude mit unserem Newsletter machen zu können.
 
Herzlich, Ihre Julia Latka
 


  
  
Hirsche am Haus von Christian Heeb.
Besuch am Haus von Christian Heeb.

Brief aus Oregon

von Christan Heeb, AMERICA-Fotograf

im Mai 2020

 

  
Gerade kamen fünf junge Hirsche an meinem Haus vorbei. Die Kerle wollten wahrscheinlich die jungen Triebe an meinen vor wenigen Jahren gepflanzten Büschen fressen. Aber ich habe ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht: Unser Land hat viel totes Buschwerk, das wir seit Jahren lichten, um uns vor Waldbränden zu schützen. Die stachligen, abgestorbenen und unhandlichen Bitterbüsche eignen sich hervorragend dazu, einen Zaun zu bauen. Selbst Hirsche mögen es nicht, gestochen zu werden. So sind sie unverrichteter Dinge wieder davongezogen.
 

Die Jungs haben in diesem Mai ohnehin genug Futter. Denn selbst hier in der Hochwüste von Oregon regnet es oft im Mai und die Landschaft zeigt sich in frischem Grün. Für uns ist es immer eine Wohltat, wenn es regnet. Denn in den Sommermonaten kann es monatelang trocken sein. Im Durchschnitt fallen hier nur gerade 30 Zentimeter Regen im Jahr.
 
Wir haben uns gut daran gewöhnt, zu Hause zu sein, und noch gab es keinen großen Familienzwist. Unsere Fotoreisen und Workshops liegen auf Eis. Erst für den September ist wieder eine Reise geplant. Ob das dann möglich sein wird, wissen wir noch nicht. Ich trinke meinen Cappuccino, während die Hirsche weiter draußen an Gras und Büschen nibbeln. Viele Bitterbüsche sind von gelben Blüten übersät und das Gras ist satt und grün.
 
Es ist ruhig geworden in Bend, Oregon. Als wir nach vier Wochen wieder einmal in die Stadt gingen, um einzukaufen, war es ein seltsames Gefühl. Es gab Menschenschlangen vor den Einkaufsläden und alle warteten in gehörigem Abstand. Drinnen im Laden gab es kein Toilettenpapier und keine Desinfektionsmittel (sonst war alles da). Drei Wochen später war Mehl Mangelware, und dann Fleisch. Die Atmosphäre in der Stadt glich der in einem Stephen-King-Roman. Wir waren froh, als wir wieder zurück auf unserer Rancho waren.
 
Jetzt gerade macht Oregon zaghaft wieder auf. Im Safeway tragen etwa 80% Masken. 20% tragen keine, die sind sich sicher: es gibt keinen Virus. Die 94.000-Seelen-Stadt Bend ist getrennt in eine West- und eine Ostseite. Westlich des Flusses leben Wohlsituierte in großen Häusern, umgeben von schönen Parks, nahe der pittoresken Innenstadt und dem Old Mill District, jener schönen Flaniermeile am Deschutes River. Zuzügler aus Washington State und Kalifornien wohnen hier, die Mehrheit wählt demokratisch. Im Osten von Bend sind die Lebensbedingungen dagegen viel einfacher.
Eine politische und soziale Schneise geht quer durch Bend und auch durch den ganzen Bundesstaat. Der Osten ist konservativ, spärlich besiedelt. Im Westen liegen die wohlhabenden großen Städte, in denen das Geld verdient wird.
 
Wir wohnen südöstlich der Stadt, umgeben von Wald auf 16 Hektar Land. Meinen Nachbar Bobby sehe ich nur selten, dann, wenn ich am Ende meines Grundstücks Holz schlage. Wir haben uns daran gewöhnt, nicht über Politik zu reden. Eigentlich leben wir hier in einem politischen Niemandsland. Pferdefarmen und einzelne Anwesen prägen das Bild. Es ist eine wohlhabende Gegend, die kaum einer in Bend kennt und so liegen wir unter dem Radar der lokalen Wahrnehmung. Die Ruhe auf unserem Land ist wohltuend und eine Oase in einer aufregenden Zeit. Seit 20 Jahren genießen wir zwischen unseren Fotoreisen die Stille der Natur. Auch jetzt in dieser Zeit der Corona-Pandemie hat sich hier nicht viel geändert. Schrill wird es bei uns nur, wenn wir kurz den Deckel zum Hexenkessel namens „Facebook“ aufmachen.
 
Im Moment sind wir hauptsächlich damit beschäftigt, im Gewächshaus anzupflanzen, den Hof im Garten für die warmen Sommermonate vorzubereiten und unser Bild-Archiv endlich aufzuräumen. Der Gedanke, dass wir im Herbst wieder Reisen können, ist sicher erfreulich - aber gleichzeitig auch ein bisschen unangenehm. Denn wenn man einmal in den Genuss dieser fast meditativen Stille gekommen ist, möchte man gar nicht mehr zurück in die hektische Welt von Flugzeugen, Taxis und Business-Lunches. Also genießen wir derzeit etwas, was wir uns schon ganz lange vorgenommen hatten: Einmal einfach Zuhause sein, auf unserer „Rancho las Hierbas“ in Oregon. Und nichts zu tun, als der Stille zu lauschen und den Streifenhörnchen, Hasen und Kojoten zuzusehen.
  
AMERICA-Fotograf Christian Heeb wohnt in Bend, Oregon. Wenn er nicht gerade im lock down sitzt, veranstaltet er gemeinsam mit seiner Frau Regula Fotoreisen und Workshops. Das Schweizer Paar lebt und fotografiert seit 30 Jahren in den USA.

 


  
  
Landekapsel der Apollo-11-Mission, National Air & Space Museum
Landekapsel der Apollo-11-Mission, National Air & Space Museum

Virtueller Museumsbesuch

 
Die Museen Amerikas mussten über Wochen geschlossen bleiben. Viele haben deshalb virtuelle Zugänge zu ihren Schätzen geschaffen. Es gibt Blogs, Rundgänge, Webcams, Spiele, Vorträge und vieles mehr.
 
Die ehrwürdige Smithsonian Institution etwa, Betreiberin der Museen an der Mall in Washington sowie mächtige Kultur- und Bildungsinstitution, bietet über www.si.edu ein richtiges Bildungsprogramm an. Oder zeigt per Webcam den Wurf des Schwarzfußilitis im Washingtoner Zoo – sowie ewig futternde Riesenpandas, Elefanten, Mulche, das Tigergehege und mehr.

 
Oder das Thema Raumfahrt: Auf der Webseite des National Air and Space Museum (www.airandspace.si.edu) gibt es Rundgänge, 3-D-Animationen von interessanten Objekten, Podcasts und Filme.

 
Kunstinteressierte sollten sich ihr Lieblingsmuseum im Internet anschauen, dort finden sich oft ausführliche Informationen über Kunstobjekte, geführte Touren, und mehr. Zum Beispiel beim Moma (www.moma.org) in New York; dem Massachusetts Museum of Contemporary Art (massmoca.org); oder dem Art Institute of Chicago (www.artic.edu).

 
Eine kulturelle Institution: Hauptgebäude der Smithsonian.
  • Eine kulturelle Institution: Hauptgebäude der Smithsonian.
  
  

Bits & Pieces


 
  • Die Nationalparks in den USA öffnen nach Corona-bedingtem Shutdown wieder ihre Tore und zwar peu à peu nach Stufenplan. Genauere Infos unter www.nps.gov
     
  • Die offizielle deutschsprachige Webseite für Reisende in die USA ist unter www.visittheusa.de zu finden. Betrieben wird sie von der staatlichen Tourismus-Marketingorganisation Brand USA. Der Stil der Webseite ist zwar werblich, aber sie gibt einen unterhaltsamen Überblick über Reiseziele und Regionen. 
     
  • Der Berliner Jazz Club A-Trane, eine der ersten Jazz-Adressen im Land, sendet weiter per Live-Stream Konzerte aus dem Club, zuhören und zuschauen unter: www.a-trane.de. Auch Videos aus den vergangenen Wochen sind hier verlinkt. Um eine Spende zur Unterstützung des Clubs in der Corona-Zeit wird gebeten.
 
   

   
Beliebte Filmkulisse: die Skyline von Seattle.
  • Beliebte Filmkulisse: die Skyline von Seattle.

SchlafLos in SeattLE

 
Da derzeit keine Besucher von Übersee in die Stadt im äußersten Nordwesten der USA reisen können, erinnert man dort daran, dass Seattle in vielen Filmklassikern eine wichtige Rolle spielte – also sozusagen jederzeit vom Sofa aus zu bereisen ist. „Schlaflos in Seattle“ mit Tom Hanks und Meg Ryan, zum Beispiel, in dem viele Sehenswürdigkeiten der Stadt vorkommen: Die Space Needle, der Pike Place Market oder Lake Union. Dann natürlich „Twin Peaks“, die kultige Mutter aller Mystery-Serien von David Lynch. Oder der Film „Singles - Gemeinsam einsam“ mit Bridget Fonda, der zur Hochzeit der Grunge-Bewegung in den 1990ern spielt.
 

   

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Fotos: Chr. Heeb, Smithsonian, istock, Port of Seattle

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